ADHS-Training/Aufmerksamkeitstraining

ADHS- Was ist das?

Der Ausdruck ADHS Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung bezeichnet Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene, die erheblich in ihrer Entwicklung und in ihrer sozialen Anpassung beeinträchtigt sind.

Es bestehen große Einschränkungen in der Aufmerksamkeit (vorzeitiger Abbruch von Aufgaben, hohe Ablenkbarkeit), Impulssteuerung (unreflektiertes Verhalten, Herausplatzen mit Antworten), Bewegungssteuerung (gezielte Bewegungen erschwert) und im Erregungszustand (zu aufgedreht oder schnell ermüdet).

Kinder mit diesen Beeinträchtigungen sind häufig auch in ihrer psychischen Entwicklung verzögert. Die eingeschränkte Aufmerksamkeit, Impulsivität, leichte Erregbarkeit und in vielen Fällen übermäßige motorische Unruhe, erschweren das alltägliche Leben.

Dies betrifft häufig auch Kinder mit Aufmerksamkeitsstörungen, bei denen kein ADHS diagnostiziert worden ist.
Eine reine ADHS-Störung ist eher selten und es treten begleitend andere Störungen auf.
(nähere Informationen zu ADHS bitte hier klicken)

Folgende Störungen treten häufig begleitend auf:

  • 50 % Oppositionelle Störung des Sozialverhaltens (aufsässiges Verhalten)
  • 10-40 % Depressionen oder andere Affektive Störungen (Emotionale Störungen)
  • 20-25 % Angststörungen
  • 30 % Tic-Störungen (z.B. Augenzwinkern)
  • 10-25% Teilleistungsschwächen (wie z.B. Lese-Rechtschreibstörungen)
    (nach Döpfner et. al. 2000)

Folgende Auffälligkeiten beobachten Eltern oder Lehrer bei Kindern mit ADHS oder Aufmerksamkeitsstörungen:

  • mangelnde Konzentration
    (hohe Ablenkbarkeit, Aufgaben werden nicht zu Ende bearbeitet)
  • problematisches Verhalten zu Hause und in der Klassengemeinschaft
    (nicht angemessene emotionale Reaktionen, Schwierigkeiten beim Einhalten von Regeln und Grenzen, Probleme im Sozialverhalten)
  • auffällige Verhaltensweisen
    (Nägel kauen, Augenzwinkern etc.)
  • Schwierigkeiten in der Handlungsorganisation
    (Probleme, Arbeitsschritte zu planen und umzusetzen, z.B. beim Anziehen, benötigte Materialien werden vergessen)
  • geringe Sorgfalt bei der Bearbeitung von Aufgaben
    (Aufgaben werden lückenhaft bearbeitet, Fehler nehmen gegen Ende zu)
  • Probleme im feinmotorischen Bereich und bei der Kraftdosierung
    (unsauberes Schriftbild, Stift wird stark aufgedrückt, verkrampfte Stifthaltung)
  • mangelnde Problemlösestrategien
    (unüberlegtes Vorgehen, Aufgeben bei auftretenden Problemen)
  • Schwierigkeiten im sprachlichen Bereich
    (lautes fortwährendes Reden, verschlucken von Silben)

©ergotherapie -többen

Folgende positive Eigenschaften werden häufig bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS beschrieben:

  • kontaktfreudiges, lebendiges und freundliches Verhalten
  • unterhaltsame, positive Ausstrahlung
  • humorvoll
  • große Begeisterungsfähigkeit
  • ideenreich
  • wissbegierig
  • nicht nachtragend
  • spontan
  • kreativ
  • hilfsbereit und fürsorglich
  • große Ausdauer und Anstrengungsbereitschaft für eine Sache, die ihnen wichtig ist

Grundlagen des Trainings:

Vor Beginn des Trainings findet ein ausführliches Erstgespräch mit den Eltern statt, um wichtige Hintergrundinformationen zu erhalten und um gemeinsame Ziele festzulegen. Anschließend wird eine ergotherapeutische Befundung durchgeführt, um die bestehenden Auffälligkeiten zu erfassen.

In unserem ADHS-Training werden verschiedene Trainingskonzepte für Kinder und Jugendliche miteinander kombiniert, um individuell und umfassend auf die vorhandenen Einschränkungen und die jeweiligen Bedürfnisse des Kindes und der Eltern eingehen zu können.

Zielsetzung des Trainings:

  • Aktivierung, Bewusstmachen und Erweiterung vorhandender Stärken
  • Steigerung des Selbstwertgefühls und der inneren Stabilität
  • Verbesserung sozialer Kompetenzen, wie Konfliktfähigkeit und Selbstregulation
  • Reduzierung der motorischen Unruhe und der Impulsivität
    (überschießendes Verhalten)
  • Ermöglichen der Selbststeuerung
    (Reduzieren von Wutanfällen, angemessener Umgang mit Misserfolgen etc.)
  • Steigerung der Aufmerksamkeitsleistungen
  • Verbesserung der Handlungssteuerung
    (selbständiges Arbeiten ermöglichen etc.)
  • Erhöhung der Frustrationstoleranz
  • Verbesserung der Eltern-Kind-Beziehung durch gezielte Umfeldberatung
  • Alltagstransfer in das häusliche und schulische Umfeld
  • Schulische Anforderungen werden in die Behandlung integriert
  • Erreichen klientenzentrierter Ziele

In unserem ADHS-Training ist es uns sehr wichtig, individuell auf die jeweiligen Bedürfnisse des Kindes oder Jugendlichen einzugehen. Ein gutes Vertrauensverhältnis bildet dabei die Basis für eine effiziente therapeutische Behandlung. Es sollen Handlungsstrategien vermittelt werden, mit dem Ziel, diese langfristig in den Alltag zu übertragen.

Eine gezielte Umfeldberatung und intensive Einbeziehung der Eltern, sollen einen möglichst schnellen und langfristigen Therapieerfolg ermöglichen.

Eine Verbesserung der Handlungsdurchführung im Alltag des Kindes oder Jugendlichen, soll durch ein handlungs- und alltagsorientiertes Vorgehen erreicht werden.

Welche Traingskonzepte werden kombiniert?

  • ETP-ADHS
    (Ergotherapeutisches Training bei Kindern mit ADHS, von Britta Winter und Bettina Arasin, 2007):
    In diesem Training werden Grundprinzipien der Ergotherapie, wie Alltagsorientierung, Einbeziehung und Beratung des Umfeldes und Aktivierung vorhandener Stärken mit bewährten verhaltenstherapeutischen Prinzipien und Elementen neuropsychologischer Trainings zu einem Therapiekonzept kombiniert.

Beim Ergotherapeutischen Trainingsprogramm bei ADHS wird nicht nur kindbezogen gearbeitet. Auch das häusliche und schulische Umfeld soll in das Training miteinbezogen werden (Familie, Lehrer).

Das Training besteht aus 4 Bausteinen. Dazu gehören, die ergotherapeutische Befunderhebung, Koordinationsschulung, Selbstregulationsstraining (KSST), Handlungsorientiertes Aufmerksamkeitstraining (HAT) und eine begleitende Umfeldberatung.

Die Kinder bekommen kontinuierlich handlungsorientierte, alltagsnahe Hausaufgaben.

  • ETET
    (Ergotherapeutische-Elterntraining, von Britta Winter und Bettina Arasin, 2007):
    Ein Bestandteil der Umfeldberatung des ETP-ADHS ist das ergotherapeutische Elterntraining. In diesem Elterntraining bekommen die Eltern Informationen und Anregungen zur Entwicklungsförderung und Unterstützung ihrer Kinder.
  • EST
    (Ergotherapeutischen Sozialkompetenztraining, von Stefanie Löcker, Berit Menke, 2011):

Inhalte dieses Gruppentrainings sind u.a. positive Verhaltensweisen der Kinder zu stärken und auszubauen, Eigenwahrnrehmung und Selbstregulation zu verbessern, sowie angemessene Konfliktstrategien zu erlernen.

Für das ADHS-Training werden für die Einzelsituation, einzelne Grundprinzipien und Elemente aus diesem Training beachtet.

  • Tricky Teens
    (Ressourcenorientiertes Gruppentraining für Jugendliche mit ADHS, von Doris Reveland und Jana Bastian, 2012):

    Für ältere Kinder oder Jugendliche können auch individuelle Inhalte aus diesem Selbststrukturierungstraining eingesetzt werden.
    Bestandteile des Tricky Teens sind z.B. die Schärfung der Wahrnehmung, Erhöhung der Selbstwahrnehmung, Steigerung der sozialen Kompetenzen sowie Erwerben neuer Lernstrategien.

  • Attentioner
    (neuropsychologisches Gruppenprogramm für Kinder mit Aufmerksamkeitsstörungen, von Claus Jacobs und Franz Petermann. 2005):

    Ziele dieses Programmes sind u.a. die Verbesserung der geteilten Aufmerksamkeit (Aufrechterhalten der Aufmerksamkeit bei Störfaktoren), Steigerung der Verhaltenskontrolle und der Alltagstransfer. Entsprechende Inhalte können in das ADHS-Training miteinbezogen werden.

  • Thop
    (Therapieprogramm für Kinder mit hyperkinetischem und oppositionellem Problemverhalten, von Döpfner, Schürmann und Frölich, 2007)
    Aus diesem Programm werden u.a. Anregungen für verhaltenstherapeutische Maßnahmen zur Verbesserung und Förderung positiver Eltern-Kind-Interventionen und einer positiven Eltern-Kind-Beziehung gegeben und Interventionen bei spezifischen Verhaltensproblemen vermittelt.
    ©ergotherapie-többen

  • MKT
    (Marburger Konzentrationsprogramm für Schulkinder, von Krowatschek, 2004):
    Anteile, die aus dem MKT eingesetzt werden, sind z.B. Übungen zur Förderung der Feinmotorik, Übungen zum trainieren selbstinstruierter, planvoller Arbeitsweisen und Steigerung von sorgfältigem Arbeiten.

    (Nähere Informationen zu den Inhalten der einzelnen Programme finden Sie auf unserer Internetseite unter Kursangebote.)
    Quellen:- Winter, B., Arasin,B. (2007/2009), Ergotherapie bei ADHS, Stuttgart: Thieme
    Döpfner, Schürmann, Frölich (2007), Therapieprogramm für Kinder mit hyperkinetischem undoppositionellem Problemverhalten, THOP, Weinheim: BELTZ
    Reveland, Bastian(2012), Tricky Teens, Dortmund: Borgmann